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Gewinn und Gefahr, meiden oder mitmachen - Wie Kinder Medien ...



Gewinn und Gefahr, meiden oder mitmachen - Wie Kinder Medien nutzen (sollten) Leipzig (ots) - Die Diskussion über Gewinn oder Gefahr der Medien für Kinder polarisiert die Gesellschaft und sorgte auch bei der öffentlichen Diskussion im Hauptbahnhof während des Medientreffpunkts Mitteldeutschland am Dienstagabend für Zündstoff. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (CDU) zitierte eine alarmierende Studie der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung, wonach die 3- bis 13-Jährigen täglich 90 Minuten fernsehen, die 14- bis 29-Jährigen schon 140 Minuten vor der "Glotze" verbringen. Bei 42 Prozent der 13-Jährigen gehört der Fernsehapparat zur Einrichtung im Kinderzimmer. "All zu viel Fernsehen im Kindesalter schadet eher, als dass es nützt", lautete Böhmers These. Auf der anderen Seite stehen Leuchttürme des Kinderfernsehens wie der aus Erfurt gesendete KI.KA. "Die Sehzeit der Kinder hat sich in den letzten Jahren nicht erhöht, aber die Kinder bekommen erstmals ein Angebot, dass speziell für sie gemacht ist", erklärte KI.KA Programmgeschäftsführer Frank Beckmann. Warum das Durchschnittsalter des Kinderkanals bei 24 Jahren liegt, konnte "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa erklären. Wie viele Eltern schaut auch sie mit ihrer achtjährigen Tochter gemeinsame die Erlebnisse von "Bernd, das Brot" und Co. "Kinder gehören zur Gesellschaft, daher sollte man sie so früh wie möglich integrieren und an Medien heranführen", sagte sie in der Arena im Hauptbahnhof. Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Präsident des Medienrates der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, warb für ein altersgerechtes Programm. "Es muss eine Geschichte erzählt werden, die ein Kind nachvollziehen kann." Dabei stellte er auch fest, dass man sich nicht überholten Illusionen hingeben dürfe: "Die Kinder haben das Tor in die Medienwelt längst durchschritten, schauen Fernsehen, hören Radio und iPod, kommunizieren mit Handys. Jedes dieser Medien hat spezifische Gefahren, über die man sich noch nicht einmal innerhalb Europas einig ist." Die Kinder müssten auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden und bräuchten beispielsweise moderierte Kinderchatrooms. Die Politik könne in diesem Prozess, so Böhmer, bestenfalls Rahmenbedingungen setzen. "Der Appell geht an die Verantwortung der Eltern. Was nutzt das beste Jugendschutzgesetz, wenn es nicht bis ins Kinderzimmer durchdringt", fragte er. Nach Ansicht von Gerold Wucherpfennig, Chef der Thüringer Staatskanzlei, hat Deutschland das europa- und weltweit beste Jugendmedienschutzgesetz. "Wir alle sind gefragt. Politiker, Eltern und Programmmacher sitzen in einem Boot." Der Bedarf an rein auf Kinder zugeschnittene Formate wächst nach Beobachtung von KI.KA-Macher Beckmann auch im Internet. Die Redaktion der Sendung "Kummerkasten" erhalte monatlich 50.000 Zuschriften und Hilferufe von Kindern zu Themen wie Mobbing in der Schule, Liebeskummer und häusliche Gewalt. "Wir haben in den letzen drei Jahren 35.000 Kindern geantwortet." Aus der Erfahrung bei dem Erfurter Sender heraus sprach er sich für ein noch enger auf die jeweiligen Altersgruppen zugeschnittenes Programm und die Ausweitung der Sendezeit von 21 auf 22 Uhr aus. Dies bedeute nicht, dass die Kinder und Jugendlichen mehr schauten, aber gezielter. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sieht in diesen Projekten "Gemeinschaftserlebnisse, um die auseinander zu driften drohende Gesellschaft zu bewahren". Originaltext: Medientreffpunkt Mitteldeutschland

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