Kontron AG bleibt nachhaltig profitabel
Eching bei München (ots) - Geringer Umsatzrückgang um 6 Prozent
auf knapp 470 Mio. Euro / Margen drücken Ergebnis auf 30,1 Mio. Euro
/ Traditionell starkes viertes Quartal / Design Wins auf historischem
Höchststand (361 Mio. Euro), Auftragsbestand steigt auf 306 Mio. Euro
/ 20 Cent Dividende wird vorgeschlagen / 11 Millionen Euro weniger
operative Kosten / Hoher Kassenbestand mit 80 Mio. Euro /
Konsolidierung erwartet
Die im TecDAX notierte Kontron AG, mit rund 2.500 Mitarbeitern
weltweit führender Anbieter von Embedded Computer-Technologie, hat
trotz der weltwirtschaftlich anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen
das zu Beginn des Geschäftsjahres 2009 formulierte Ziel der
kontinuierlichen Profitabilität erreichen können. In der globalen
Finanz- und Wirtschaftskrise, die vor allem den wichtigen Absatzmarkt
der industriellen Automation und dort besonders den Maschinenbau
getroffen hat, wurde ein geringer Umsatzrückgang von 496,7 Mio. Euro
auf 468,9 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Stabilisierend
wirkte sich die in den Vorjahren eingeleitete Diversifikation in
Bezug auf Technologien, Regionen und vertikale Märkte aus. Ein
konsequentes Kostenmanagement und ein solides Finanz- und
Kapitalpolster ermöglichte eine erneute strategische Verstärkung in
den wichtigen Zukunftsmärkten Transportation, Medical und Government
wie auch bei der Produktrange. Vor allem aufgrund der Schwäche im
margenstarken Automationsmarkt und eines starken Anstiegs des noch
margenschwächeren Original Design Manufacturer-Geschäfts (ODM) in
Asien war das Ergebnis (EBIT) einem erhöhten Margendruck ausgesetzt
und ging von 46,9 Mio. Euro auf 30,1 Mio. Euro zurück. Die Earnings
per share lagen bei 41 Cent gegenüber 67 Cent in 2008. Für das neue
Geschäftsjahr 2010 rechnet das Unternehmen - abhängig von der
weltwirtschaftlichen Entwicklung - mit einer Stabilisierung bzw.
einem leichten Wachstum. Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen,
der Hauptversammlung am 9. Juni 2010 wie in den beiden Vorjahren auch
die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 20 Cent je Aktie
vorzuschlagen.
Umsätze konjunkturell unter Druck
2009 lagen die Erlöse der Kontron AG rund 6 Prozent unter dem
Vorjahreswert. Grund hierfür war vor allem der Nachfragerückgang im
Zuge der Finanzkrise in Europa. Das hier traditionell margenstarke
Geschäft mit Systemen, vor allem im Bereich der Automation, musste
Einbu&suml;en hinnehmen. Der Anwendungsbereich Automation schrumpfte um
über 20 Prozent und ging von 23 Prozent auf 18 Prozent Anteil am
Gesamtumsatz zurück. Leichte Rückgänge verzeichneten auch die Felder
Gaming/Infotainment und währungsbedingt auch Energie. Produkte in den
konjunkturunabhängigeren Bereichen Transport, Government,
Telekommunikation und Medizin hielten sich stabil bzw. kurbelten das
Geschäft an, konnten aber die Rückgänge in den vorgenannten Bereichen
nicht voll kompensieren. Das Asien-Geschäft spürte die Rezession
weniger stark - bei allerdings in der Regel niedrigeren Margen. Die
grö&suml;ten Zuwächse verzeichneten China und Russland - die beiden Märkte
haben zusammen mittlerweile einen Anteil von 29 Prozent am
Gesamtumsatz. Der europäische Anteil am Gesamtumsatz dagegen sank von
46 auf 40 Prozent; das Amerika-Geschäft mit mittlerweile 31 Prozent
Umsatzanteil blieb konstant. Die breite horizontale und vertikale
Aufstellung von Kontron hat sich somit im zweiten Jahr der weltweiten
Wirtschafts- und Finanzkrise positiv auf die Geschäftsentwicklung
ausgewirkt.
Starkes viertes Quartal
Im vierten Quartal konnte Kontron einen Umsatz von 135 Mio. Euro
und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 10 Mio. Euro erzielen. Damit
waren die letzten drei Monate des Jahres 2009 wie erwartet
traditionsgemä&suml; das stärkste Quartal des abgelaufenen
Geschäftsjahres, lagen jedoch entsprechend der Entwicklung im
Gesamtjahr unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (Umsatz 140 Mio.
Euro, EBIT 13 Mio. Euro). Negativ ausgewirkt hat sich die Verknappung
am weltweiten Komponentenmarkt und die daraus resultierende
Allokation: Durch diese Zuteilungspolitik entstanden Lieferzeiten von
teilweise mehr als 30 Wochen, so dass Kontron nur durch eine massive
Aufstockung der Lagerbestände (92 Mio. Euro gegenüber 71 Mio. Euro im
Vorjahreszeitraum) seine Produktion für die weiteren Monate absichern
musste. Auch die Kosten für die Integration der schweizerischen
Digital-Logic AG, die im September mehrheitlich übernommen worden
war, wirkten sich auf den operativen Cashflow aus, der in diesem
Quartal 6 Mio. Euro betrug und zum Ende des Jahres bei insgesamt 23,9
Mio. Euro lag (gegenüber 27,5 Mio. Euro im Vorjahr).
Der Kassenbestand blieb zum Jahresende mit 80 Mio. Euro weiterhin
auf hohem Niveau und lag somit deutlich über dem Vorjahreswert von 53
Mio. Euro. Der Periodenüberschuss sank auf 8,2 Mio. Euro gegenüber
9,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten die für die
weitere Geschäftsentwicklung so wichtigen Design Wins stabil auf
hohem Stand gehalten werden - ihr Volumen von 74 Mio. Euro lag auf
dem Niveau des vierten Quartals 2008 (76 Mio. Euro). Grö&suml;ere
Entwicklungsaufträge kamen vor aus allen wichtigen Regionen und sind
für die vor allem Anwendungsgebiete Telekommunikation, Government,
Energie und Transportation bestimmt.
Ausbau von Auftragslage, Präsenz und Angebot
Der Auftragsstand war nicht nur im vierten Quartal sondern auch
auf das Gesamtjahr gesehen positiv: Er stieg zum Ende des Jahres auf
306 Mio. Euro gegenüber 291 Mio. Euro im Vorjahr. Die Design Wins
entwickelten sich wieder sehr positiv: Als wichtiger Indikator für
die mittel- und langfristige Geschäftsentwicklung kletterten sie
erneut auf einen historischen Höchststand - von 428 in 2008 auf 447
Aufträge bzw. von 317 Mio. auf 361 Mio. Euro beim Volumen. Kontron
profitiert hier vom wachsenden Kostendruck auf Kundenseite und vom
anhaltenden Outsourcing-Trend. Zusätzlich wurde die Präsenz in
wichtigen Märkten weiter gestärkt, unter anderem durch eine neue
Vertriebskooperation von Kontron mit Emerson Network Power im
japanischen Markt und ein neues Vertriebs- und Supportzentrum im
strategischen Markt Indien. Das Software- und Service-Angebot sowie
die Zusammenarbeit mit dem wichtigen Partner Intel hat Kontron durch
die Kooperation mit Wind River (seit 2009 eine Intel
Tochtergesellschaft) beim weltweiten Vertrieb erweitert. Die
Akquisition der schweizerischen Digital-Logic AG im September hat die
Produkt-Range intensiv gestärkt und wird künftig für konkrete
Zuwächse bei den margenstarken Segmenten Government, Transportation
und Medizin im mitteleuropäischen Raum sorgen.
Sparma&suml;nahmen wirken weiter
Die operativen Kosten beliefen sich 2009 auf 101 Mio. Euro. Sie
lagen damit 11 Mio. Euro niedriger als im Vorjahr. Hier haben sich
bereits die Investitionen in schlankere Prozesse und Organisationen
ausgewirkt. Auch das langfristig angelegte Profit Improvement
Programm zeigte Wirkung: Die Produktionsverlagerung in den
kostengünstigen, eigenen Produktionsstandort in Malaysia hat zu einem
asiatischen Anteil von 60 Prozent an der Gesamtproduktion geführt.
Fertigungskapazitäten in vergleichsweise teuren Standorten, wie zum
Beispiel Nordamerika und Europa, wurden weiter zugunsten des
Standorts in Penang abgebaut. Auch in anderen Bereichen wurden
Zentralisierungsma&suml;nahmen ergriffen und wieder Einsparpotenziale
erzielt. Auch die Reduzierung bei der Mitarbeiterzahl von 2536 auf
2487 trug zu dem Kostenrückgang bei - unter Berücksichtigung der 107
übernommenen Mitarbeiter der Digital-Logic AG wurden netto 156
Arbeitsplätze abgebaut.
Finanziell gut abgesichert
Die Liquiditätssituation der Kontron AG ist nach wie vor sehr
solide. Der Kassenbestand lag zum Jahresende bei 80 Mio. Euro
(Vorjahr: 53,1 Mio. Euro). Die Steigerung ist in erster Linie
zurückzuführen auf die Ende Juli erfolgte Kapitalerhöhung durch die
Ausgabe neuer Stückaktien, die von einem der weltweit führenden
Private Equity-Unternehmen, der Warburg Pincus-Gruppe, gezeichnet
wurden. Damit erhöhte sich das Grundkapital der Kontron AG von 50,8
Mio. Euro auf 55,7 Mio. Euro. Mit der gestärkten Finanzkraft sichert
sich Kontron Akquisitionsvorteile in einem sich stark
konsolidierenden Wettbewerbsumfeld. Bei einer Bilanzsumme von 461
Mio. Euro (Vorjahr: 394,5 Mio. Euro) lag die Eigenkapitalquote bei 72
Prozent. Der operative Cashflow sank gegenüber dem Vorjahr von 27,5
Mio. auf 23,9 Mio. Euro - Gründe hierfür sind die Integration der
Digital-Logic AG und die notwendige Aufstockung der Lagerbestände im
vierten Quartal durch die Allokation bei den Zulieferern.
Vorstand erwartet Konsolidierungsjahr
Auch wenn konkrete Prognosen wegen der nur schwer vorherzusagenden
Konjunkturaussichten kaum möglich sind, geht der Vorstand von einem
Konsolidierungsjahr aus. "Der enorme Kostendruck veranlasst immer
mehr Unternehmen, langwierige und kostenintensive Entwicklungs- und
Produktionsschritte auszulagern", sagt Ulrich Gehrmann,
Vorstandsvorsitzender von Kontron. "Die stark angestiegenen Design
Wins und Auftragsbestände sind hierfür ein deutliches Zeichen und
werden im zweiten Halbjahr 2010 für Wachstum sorgen." Auch wenn
einzelne Märkte, wie etwa die Automation in Europa, unter Druck
blieben, bestünde durch die breite regionale Präsenz und die hohe
Branchen-Diversifikation eine hohe Absicherung gegen grö&suml;ere Risiken.
Vergleichsweise konjunkturunabhängige Branchen wie die
Telekommunikation, die Sicherheit (Government) und die Medizin werden
laut Gehrmann die Impulsgeber sein.
Weitere Kostenreduzierung und Wachstum geplant
Für weitere Stabilität und Kosteneffizienz werden die finalen
Schritte des Profit Improvement Programms sorgen, unter anderem
werden die Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf 11 Prozent von 12
Prozent vom Umsatz sinken. Mittelfristiges Ziel sei es, neben der
Technologie- und Qualitäts-Führerschaft auch die
Produktionskosten-Führerschaft im Geschäftssegment der Embedded
Computer-Technologie zu übernehmen - dazu dienen auch immer bessere
Einkaufskonditionen (wie über die zentrale Beschaffung in Taiwan) und
die kontinuierlich steigende, kostengünstigere Produktion im
malaysischen Penang. 2010 sollen bereits 70 Prozent in Asien
produziert werden. Bei den Verwaltungskosten werden derzeit
sukzessive signifikante Einsparungen durch Zentralisierung und die
Integration kleinerer Organisationseinheiten in grö&suml;ere vorbereitet -
mit schlankeren Strukturen und Kompetenzzentren können somit in
Zukunft bei geringeren Kosten mehr Leistung und Umsatz generiert
werden. Zusammen mit der soliden Finanzlage ist das Unternehmen durch
die organisatorische Schlagkraft optimal aufgestellt, um weitere
strategische Zukäufe im Rahmen der Marktkonsolidierung tätigen zu
können. "Bei der internen Organisation haben wir mit schlankeren
Prozessen eine grö&suml;ere Leistungshöhe erreicht und gleichzeitig die
Kosten nachhaltig gesenkt sowie Vertrieb und Kundennähe gestärkt, auf
der Absatzseite in der Krise durch die breite vertikale und
horizontale Diversifizierung die Risiken minimiert", so Gehrmann.
"Dies bauen wir weiter aus und nutzen unsere Technologieführerschaft,
um 2010 und in den Folgejahren bei steigender Profitabilität zu
wachsen. Wir legen nun die Grundlagen, um in einem normalen
wirtschaftlichen Umfeld mit zweistelligen organischen Wachstumsraten
unser EBIT-Ziel von 12 Prozent zu erreichen."
Anmerkung: Vorjahreszahlen nach Anpassung gem. IAS 8.41f
Originaltext: Kontron AG
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