Ist Informationstechnik im Auto zukünftig wichtiger als der
Verbrennungsmotor?
München (ots) - Der Münchner Kreis hat auf seinem Kongress "Das
vernetzte Automobil" in München führende Vertreter aus der
Automobilbranche sowie aus Verbänden, Politik und Wissenschaft zu
einem zweitägigen Meinungsaustausch zusammen gebracht. Thema des
Kongresses war die Bedeutung von Informations- und
Kommunikationstechnik für die Sicherheit und Effizienz des Automobils
und des Verkehrs der Zukunft. In Anbetracht der rasanten Entwicklung
in den Technologiemärkten und der Folgen des weltweiten
Verkehrswachstums stellten die eingeladenen Experten zukunftsweisende
Konzepte für das vernetzte Automobil vor.
Die Effizienz des Autos betrifft einerseits den
Kraftstoffverbrauch. Sie ist dabei im Wesentlichen eine Funktion aus
Leistung und Gewicht. Sie betrifft aber auch immer mehr die
Vernetzung und Kommunikation der Fahrzeuge untereinander und mit
ihrer Umgebung. Die Informations- und Kommunikationstechnik hat dabei
auf zwei Wegen Einzug in das Fahrzeug gehalten. "Zum einen gibt es
immer mehr eingebettete Systeme, wie den Bremsassistenten oder
elektronische Stabilitätsprogramme, die für die Leistungsfähigkeit
und Sicherheit des Fahrzeugs unverzichtbar sind. Zum anderen gibt es
eine Reihe von Zusatzfunktionen und Geräten für Informations-,
Unterhaltungs-, Kommunikations- und Navigationsanwendungen. Zählte
vieles davon bisher zum Luxus, gehört ein Navi heute fast zur
Standardausrüstung", sagte Prof. Jörg Eberspächer, Vorstand des
Münchner Kreises, vor den rund 200 Teilnehmern des Kongresses. Gerade
die Einbindung der Zusatzfunktionen kann dabei einen großen Beitrag
zur Effizienzsteigerung leisten. "So können Ortung, Navigation und
digitale Karte zur Steigerung der Sicherheit, zur Erhöhung des
Komforts und gleichzeitig zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs
erheblich beitragen", erklärte Dr. Dirk Hoheisel, Bereichsvorstand
Entwicklung Car Multimedia bei Bosch. Nach Angaben des
Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie stützen sich
heute bereits 80 Prozent aller Innovationen im Automobilbau auf
Elektrotechnik und Elektronik. Der Kostenanteil der
Fahrzeugelektronik wird laut dem Beratungsunternehmen Arthur D.
Little bis 2010 im Durchschnitt 35 Prozent betragen. Davon wird die
Hälfte auf den Bereich Unterhaltung und Information entfallen.
Mit Blick auf die Zukunft des Automobils stellte Christoph Stiller
von der Universität Karlsruhe Ergebnisse seiner Forschung vor:
"Kognitive Automobile sind mit Hilfe ausgereifter Informationstechnik
schon bald in der Lage, sich selbst und ihre Umgebung wahrzunehmen,
sowie Wissen selbständig anzusammeln und zu strukturieren. Die
Wissensstruktur des Autos wird zukünftig geometrisches und
begriffliches Wissen miteinander verbinden und insofern der
menschlichen Kognition ähnlich sein". Dr. Manuel Simas,
Geschäftsführer von Microsoft Worldwide Automotive Business ergänzte:
"Nicht die Anzahl der Prozessoren im Auto ist dabei ausschlaggebend,
sondern die Art und Weise, wie sich deren Leistungsfähigkeit in ganz
konkretem Nutzen für den Autofahrer widerspiegelt. Die
Informationstechnik wird den Automobilherstellern zukünftig also auch
immer stärker als Instrument zur Abgrenzung vom Wettbewerber dienen".
Tibor Farkas vom Fraunhofer-Institut für offene
Kommunikationssysteme unterstrich die Bedeutung, die der
Informationstechnik zukünftig zukommen wird: "Die Beherrschung der
Systemkomplexität und hohe Qualitätsanforderungen bei der Entwicklung
von Automotive Software einerseits und der Kostendruck durch einen
verschärften Innovationswettbewerb andererseits sind die wichtigsten
Herausforderungen für Automobilhersteller und deren Zulieferer".
Allerdings verwies Farkas darauf, dass die klassischen Methoden der
Softwareentwicklung den steigenden Ansprüchen an die Steuergeräte im
Automobil nicht mehr gerecht würden. Neue Standards für
Softwarearchitekturen wie AUTOSAR oder der ISO-Standard 26262 seien
notwendig. Dr. Johannes Springer, Vorstand von Toll Collect, betonte
in seinem Vortrag, dass auch der Schutz unserer Umwelt und des Klimas
zukünftig die Entwicklungen im Verkehrsbereich maßgeblich bestimmen
wird. Mobilität müsse daher als Ressource verstanden und intelligent
organisiert werden. Dr. Siegfried Meuresch vom Bundesministeriums für
Wirtschaft und Technologie fasst die Ergebnisse des Kongresses
zusammen: "Mit Hilfe neuer, intelligenter Technologien, insbesondere
aus den Informations- und Kommunikationsbereichen, haben wir eine
gute Chance, das absehbare Verkehrswachstum zu bewältigen, dabei
Klima und Umwelt zu schonen und gleichzeitig die Spitzenposition der
deutschen Industrie zu stärken".
Über den Münchner Kreis
Der Münchner Kreis ist eine gemeinnützige übernationale
Vereinigung für Kommunikationsforschung. An der Nahtstelle von
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien befasst er sich mit
Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der
Regulierung im Bereich von Informations- und Kommunikationstechniken
sowie der Medien. Er begleitet und fördert die Entwicklung der
Informationsgesellschaft in verantwortungsvoller Weise, und wirkt an
der Verbesserung der Rahmenbedingungen durch wissenschaftlich
qualifizierte Beiträge und sachlichen Dialog konstruktiv mit.
Originaltext: Münchner Kreis
Das haben andere Besucher auf unserer Seite gesucht:
Diese Nachrichten haben andere Besucher auf unserer Seite besucht:
Trittin: Den Umweltvorteil der Schiene weiter ausbauen Der PENNYSTOCK REPORT empfiehlt: Everton Resources und ... Vorfahren gesucht - Für das eBay-Magazin geh Kinder- und Jugendärzte fordern Betriebsärzte