Der Münchner Kreis bringt die Macher virtueller Welten an einen Tisch
/ Damit Second Life & Co weiterhin Freude machen, hat der Münchner
Kreis eine Konferenz der wichtigsten Akteure des Web 2.0 abgehalten
München (ots) - Im Rahmen der Konferenz "Virtuelle Welten im
Internet" sind heute auf Einladung des Münchner Kreises Vertreter
aller namhaften Unternehmen und Institutionen zusammengetroffen, die
sich mit Web 2.0-Technologien befassen. Begleitet von Experten aus
Wissenschaft und Politik wurden dabei neue Möglichkeiten der
Interaktion und des Rollenspiels in so genannten virtuellen
Internetwelten diskutiert. "Uns kommt es darauf an, die Wirkung neuer
Internetangebote auf Mensch und Gesellschaft zu verstehen, und
hierüber den Dialog mit den verantwortlichen Entscheidern voran zu
treiben", sagt Prof. Dr. Jörg Eberspächer, Vorstand des Münchner
Kreises.
Ein wichtiger Impuls für diese Diskussion geht in der
Öffentlichkeit seit 2003 vom Second-Life-Konzept aus, das von der
kalifornischen Firma Linden Lab entwickelt und ins Internet gestellt
wurde. Damit die Kommunikation, der Handel und das Spiel hier -wie in
vielen anderen virtuellen Welten - auch in Zukunft zum Wohle der
Nutzer ablaufen, wurden auf der Konferenz eine Reihe
zukunftsweisender Vorschläge und Ideen zusammengetragen. Diese
beziehen sich sowohl auf kommerzielle, wie auf soziale, rechtliche
und psychologische Aspekte des Lebens in virtuellen Welten. So schlug
Boas Betzler, IBM Forschung, mit Blick auf die kommerzielle Nutzung
virtueller Welten die Einführung einheitlicher technischer Standards
vor, die es erlauben, virtuelle Anwendungen in vorhandene
Betriebsabläufe zu integrieren. Robert Gehorsam, Präsident der
US-Firma Forterra Systems, nahm in einer Videoübertragung als Avatar
an der Konferenz teil. Daniel Michelis von der Universität der Künste
in Berlin beschrieb die Auslagerung von Dienstleistungen in digitale
Welten als eines der zukunftsträchtigsten Geschäftsfelder. Er spricht
hier vom Cybersourcing, das so genannte Service-Avatare in virtuelle
Beratungssituationen einbindet. Auf Schwierigkeiten bei der
kommerziellen Nutzung von virtuellen Welten machte Dr. Heinrich
Arnold von der Deutschen Telekom aufmerksam. Schließlich sei oftmals
die Authentizität von Angeboten fragwürdig. Da die Anonymität der
Avatare menschliches Fehlverhalten begünstige, seien verlässliche
Reputationssysteme empfehlenswert. Zu rechtlichen Fragen, die sich im
Umgang mit virtuellen Welten ergeben, vertrat der Anwalt Dr. Wolfram
Proksch die Auffassung, dass Handlungen in der Virtuellen Welt nicht
losgelöst von der realen Welt betrachtet werden sollten. Ein anderes
Problem sind die im Internet verwendeten virtuellen Währungen, die
Prof. Hans-Helmut Kotz von der Deutschen Bundesbank analysierte.
Seine Forderung lautet, virtuelle Währungen den gleichen Gesetzen zu
unterwerfen wie wirkliches Geld.
Die Konferenz fand zeitgleich in München und - unter Beteiligung
zahlreicher Avatare - in der virtuellen Welt von Second Life statt.
Die vollständigen Arbeitsergebnisse der Konferenz werden vom Münchner
Kreis publiziert. Das Buch wird in Kürze erscheinen. Vorab-Infos:
Münchner Kreis unter 089-223 238 oder www.muenchner-kreis.de.
Über den Münchner Kreis
Der Münchner Kreis ist eine gemeinnützige übernationale
Vereinigung für Kommunikationsforschung. An der Nahtstelle von
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien befasst er sich mit
Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der
Regulierung im Bereich von Informations- und Kommunikationstechniken
sowie der Medien. Er begleitet und fördert die Entwicklung der
Informationsgesellschaft in verantwortungsvoller Weise, und wirkt an
der Verbesserung der Rahmenbedingungen durch wissenschaftlich
qualifizierte Beiträge und sachlichen Dialog konstruktiv mit.
Originaltext: Münchner Kreis
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